Home arrow Informationsreihe
Einführung  PDF   Drucken   E-Mail 

Informationsreihe für ältere Aussiedlerinnen und Aussiedler und ihre Ehepartner (russisch-deutsch)

In den vergangenen Jahren wurden die Angebote der Altenhilfe zunehmend differenzierter gestaltet und an individuelle Bedürfnisse angepasst. Eine neue Zielgruppe rückt immer stärker in das Blickfeld von Institutionen und Fachkräften der Altenhilfe, nämlich die stark wachsende Gruppe der Senioren und Seniorinnen mit Migrationshintergrund, worin auch die älteren Aussiedlerinnen und Aussiedler einbezogen sind. Es ist  wichtig, nicht nur die Lebensqualität  und  die Lebenslage der Senioren und Seniorinnen mit Migrationshintergrund zu berücksichtigen, sondern auch ihre Betreuung und Pflege in das Blickfeld  zu nehmen.

Ältere Migranten/-innen sollen das vielfältige Angebot für Senioren und Seniorinnen - von der offenen Altenarbeit bis zur ambulanten und stationären Versorgung - kennen lernen und als ein Angebot erfahren, das auch sie nutzen können, in Ergänzung zu dem, was ihre Familien oder ihr Umfeld für sie leisten.

Bezogen auf die älteren Aussiedlerinnen und Aussiedler  sind Schlüsselthemen: die aktuelle  Lebenssituation in Deutschland, die Sehnsucht nach dem Herkunftsland, die eigenen Bilder über das Älterwerden sowie die Beziehungen zwischen Eltern und Kindern und die damit verbundenen Erwartungen, welche sich vielleicht unter den Bedingungen der Migration verändert haben.

Die Träger der Altenhilfeeinrichtungen suchen auf unterschiedliche Weise den Zugang zu dieser Zielgruppe. Die Informationsreihe kann sie dabei unterstützen und ggf. einen ersten Zugang erleichtern. Sie lernen eine spezielle  Methodik und Didaktik  kennen und erfahren, dass durch Zusammenarbeit und Vernetzung mit den Migrationsdiensten der Zugang zu Migrant/innen leichter werden kann.

In der Zusammenarbeit  dieser Arbeitsfelder werden die fachlichen Kompetenzen zusammengeführt, welche die Voraussetzung für die Entwicklung bedarfsgerechter Versorgungs-, Betreuungs-, und Wohnformen für ältere Migranten/innen  schaffen.

Bei der Durchführung die Informationsreihe erhalten sie Kenntnisse über ältere Migranten/-innen und deren Bedürfnisse und können entscheidende Rückschlüsse über den Bedarf dieser Zielgruppe ziehen. So können sie bestehende Angebote für diese Zielgruppe modifizieren bzw. neue Angebote entwickeln.

Altern wird multikulturell

Die demographische Entwicklung weist auf einen erheblichen Anstieg des Bevölkerungsanteils älterer Migrant/innen hin. Derzeit leben in der Bundesrepublik mehr als 700 Tausend Migranten/-innen in Alter von 60 und mehr Jahren. Prognosen zufolge wird die Zahl bis zum Jahr 2010 auf rund 1,3 Millionen, im Jahr 2020 auf fast 2 Millionen und bis zum Jahr 2030 auf mehr als 2,8 Millionen ansteigen. Damit sind die Seniorinnen und Senioren mit Migrationshintergrund die am stärksten wachsende Bevölkerungsgruppe in der Bundesrepublik.

Ca. 80%  der älteren Arbeitsmigranten/innen, die jahrzehntelang in Deutschland gearbeitet haben, werden ihren dritten Lebensabschnitt in Deutschland verbringen bzw. zwischen Herkunftsland und Deutschland hin und her pendeln.

Bei der älteren  Aussiedlern/innen liegt die Einwanderung oft erst  wenige Jahre zurück  bzw. ist im Alter erfolgt  - in einer Lebensphase, die  bei vielen teilweise von Rückzug geprägt ist. Ihnen bleibt evtl. wenig Zeit, sich mit den Gepflogenheiten in Deutscland vertraut zu machen.

Das bedeutet, dass für Rentner/innen mit Migrationshintergrund Möglichkeiten geschaffen werden müssen, damit sie in Deutschland würdevoll altern und auch angemessene Hilfs-, Wohn- und Betreuungsangebote in Anspruch nehmen können.

Ältere Migranten/innen sind bei der Nutzung der Angebote von Diensten und Einrichtungen der Altenhilfe heute vielfach noch unterrepräsentiert. Das hat mehrere Gründe.

Unterstützung durch die Familie?

Obgleich viele Studien einen wachsenden Versorgungsbedarf bei älteren Menschen mit Migrationshimtergrund belegen, wird dieser sowohl von den älteren Migranten/innen selbst als auch von den verschiedenen Einrichtungen des Versorgungssystems oft unterschätzt.  Umgekehrt werden die Unterstützungsmöglichkeiten durch die Familien oft überschätzt.

Auf der Seite der älteren Migranten/innen verhindern  ihre Bilder über das Älterwerden oft eine aktive Auseinandersetzung mit den Hilfsleistungen in Deutschland. Viele Angebote der Altenhilfe sind  ihnen unbekannt. Darüber hinaus fällt es ihnen schwer,  ihre Bedürfnisse öffentlich machen und zu artikulieren.

Auf der Seite der Altenhilfe gibt es bisher eher wenige Kontakte mit älter werdenden Migrantinnen und Migranten, und folglich bestehen Informationsdefizite im Hinblick auf deren Lebenssituation, ihre Kompetenzen und Potentiale sowie ihre Bedürfnisse.

Aus den genannten Gründen sind die Mitarbeiter/innen von Altenhilfeorganisationen gefordert, aktiv auf ältere Migranten/innen zuzugehen und dabei die Migranten- und Selbsthilfeorganisationen, Migrantenberatungsstellen, Krankenhaussozialdienste, Sozial- und  Rehabilitationszentren etc. einzubeziehen. Bei der Entwicklung und Realisierung zukunftsweisender Konzepte ist daher ein wechselseitiger Informationsfluss zwischen neuen Kunden/innen und Institutionen eine Voraussetzung - verbunden mit einem Perspektivwechsel von der ‘Komm-Struktur’ zur ‘Geh-Struktur’ und gestützt von angemessenen Methoden und Medien.

 

Die Informationsreihe „Älter werden in Deutschland“

Die Informationsreihe bietet vielfältige Möglichkeiten, die Barrieren und Vorurteile sowohl auf Seiten der Altenhilfe als auch auf Seiten der älteren Migranten/innen zu überwinden. Das in den Niederlanden entwickelte erfolgreiche Programm „Ouder worden in Nederland“ wurde von einem interdisziplinären und interkulturellen Expertenteam für Deutschland überarbeitet und angepasst.